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Zentralverband europäischer Laufentenhalter
 

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Fragwürdigkeiten

Fragwürdiges

zum Umgang der Politik mit der Vogelgrippe

Die von oben angeordnete "Aufstallung", also das Wegsperren des Geflügels, stellt derzeit eine starke Belastung für Tierhalter und Tiere dar. Wir halten diese Maßnahme für überzogen und falsch. Hier finden Sie Merk- und Fragwürdiges, das uns zur Aufstallung und zum Impfverbot für Tiere aufgefallen ist:

  1. Weder in Russland incl. der Ex-UDSSR, noch in Rumänien, Kroatien, Schweden oder der Türkei sind bisher Menschen an H5N1 erkrankt, geschweige denn gestorben. In Asien mit einer Einwohnerzahl von 3,2 Milliarden Menschen haben sich laut WHO seit 2003 insgesamt 120 Menschen mit Vogelgrippe infiziert, 60 Todesfälle sind bekannt (zum Vergleich: allein in Deutschland starben laut Robert-Koch-Institut im Jahr 2004 ca. 15.000 bis 20.000 Menschen an der normalen Grippe). Die Infektionen in Asien und die Sterblichkeitsrate von 50% sind auf kulturelle Faktoren, Armut, hygienische Bedingungen und medizinische Unterversorgung zurückzuführen (vgl. Script zur WDR-Sendereihe Quarks & Co vom 18.10.2005). 
  2. Laut der Risikobewertung des Friedrich-Löffler-Instituts in Greifswald ist das Risiko einer Einschleppung des Vogelgrippe-Virus nach Deutschland durch Wildvögel gering, während es durch illegale Transporte sehr hoch ist.
  3. Die Monitoringmaßnahmen der Vogelwarten/Beringungsstationen Radolfzell am Bodensee und Hiddensee an der Ostsee laufen seit Monaten und haben noch kein einziges positives Testergebnis auf H5N1 bei Wildvögeln/Zugvögeln gehabt.
  4. Der Staat hat zwar eine Regelung erlassen (die angeblich lange und gut vorbereitet in der Schublade lag), aber darin steht weder etwas über Desinfektion, noch werden die dafür benötigten Mittel bzw. Materialien zur Verfügung stellt. So ist es z.B. nicht verboten, frisches Grünzeug zu füttern, wodurch die Stallung mit Wildvogelkot kontaminiert werden könnte.
    Ein kleines Rechenbeispiel zum Nachdenken:
    Wer hundert Meter vom Haus bis zum Stall geht, betritt dabei ca. 2 m² Fläche, auf der Wildvogelkot mit den Schuhen aufgenommen werden kann. Wird der Vorgang mehrmals am Tag wiederholt, wird täglich über die Schuhe genauso viel Wildvogelkot in die Volieren eingebracht wie die Folie darüber verhindern soll.
  5. Eine einheitliche Umsetzung zur Aufstallung fehlt. Die Veterinärämter entscheiden frei nach eigenem Ermessen wie sie die Aufstallung haben wollen. Wo die einen Vogelschutz- und Tarnnetze durchgehen lassen, fordern die anderen staubsichere Ställe.
  6. Die Haltungsbedingungen der Tiere durch die Aufstallung wiedersprechen der artgerechten Haltung und damit dem Tierschutzgesetz. Außerdem wird das Krankheitsrisiko extrem erhöht. Es ist zu erwarten, dass die Hygiene in den überbesetzten Ställen schnell unter ein normalerweise tolerierbares Maß sinken wird. Der ZEL wird hierzu eine Studie durchführen.
  7. Enten und Gänse brauchen eine Bademöglichkeit. Können sie ihr Gefieder nicht im Wasser pflegen, verschlechtert sich die Hygiene, die Anfälligkeit für Krankheiten steigt. Summasummarum dürfte es bis zum 15. Dezember durch die Seuchenprävention zu weit mehr Todesfällen unter dem Geflügel wegen zusätzlicher Krankheiten, Notschlachtungen oder gar Aussetzungen kommen, als ein tatsächlicher Ausbruch der Vogelgrippe fordern würde. Auch dies wird Gegenstand der ZEL-Studie sein.
  8. Angeblich soll durch die Aufstallung verhindert werden, dass H5N1 sich mit dem menschlichen Grippevirus kombiniert. Bedingt durch die oben genannten hygienischen Verschlechterungen und weil der Kontakt zwischen Halter und auf engem Raum eingesperrten Tieren allein wegen der erforderlichen Stallreinigungen viel intensiver sein wird als bei "normaler" Haltung, ist das Aufstallungsgebot klar kontraproduktiv.
  9. Weder Halter noch Bevölkerung werden richtig über die Verordnung aufgeklärt, nur wer Internet hat kann sie buchstabengetreu nachlesen (wenn er lange genug sucht). Die Internetseiten vieler Landrats- und Veterinärämter werden zudem zu wenig aktualisiert. Die dargebotenen Informationen zur Vogelgrippe, so überhaupt vorhanden, sind hoffnungslos veraltet.
  10. Zu den Merkwürdigkeiten gehört auch, dass für Geflügelhalter einerseits eine Meldepflicht existiert, ihre Daten also bei den entsprechenden Behörden vorliegen, andererseits dieser Adressbestand von den Behörden aber nicht genutzt wird, um Geflügelhalter systematisch und zeitnah zur Aufstallung zu informieren. 
  11. Viele Halter wollen bzw. können ihre Tiere nicht monatelang im Stall halten. Es gibt derzeit keine Informationen, was passieren soll, wenn der Vogelzug im Frühjahr 2006 in die entgegengesetzte Richtung geht. Kehrt die Aufstallung periodisch wieder, werden viele Halter ihr Gefügel aus Tierschutzgründen abschaffen. Wenn man Klarheit hätte, könnte man dies jetzt schon tun und den Tieren die Stallhaltung bis Mitte Dezember 2005 ersparen.
  12. Vielen Laufentenhaltern klingen noch Ministerversprechen im Ohr, dass niemand genötigt werde, einen Stall zu bauen bzw. seine Tiere notzuschlachten. Nun ist genau das Gegenteil der Fall. Teilweise sitzt sogar das Amt, das die Aufstallung verlangt, im gleichen Haus wie das Bauamt, das einen Stallbau verhindert (Fall Bernd Ullrich, Stockheim). Die Stadt Bielefeld empfiehlt Hobbyhaltern, die kurzfristig keine Ställe oder Volieren nutzen können, die "vorzeitige Schlachtung" ihrer Tiere. 
  13. Es wird argumentiert, bei einer Impfung der Tiere mit dem vorhandenen Impfstoff könne man nicht mehr zwischen geimpften und tatsächlich erkrankten Tieren unterscheiden. Das ist in zweierlei Hinsicht merkwürdig:
    - Erstens weiß ein Halter, ob er seine Tiere geimpft hat oder nicht, man könnte die Tiere bei Bedarf auch dauerhaft markieren.
    - Zweitens, wer würde bei der menschlichen Grippeimpfung so argumentieren? Ein Impf-Verbot, weil dann Geimpfte die Infektion unerkannt verbreiten können? Dann könnte man sich die meisten Impfungen schenken.
  14. Die deutsche Geflügelwirtschaft wird durch diese Maßnahme NICHT geschützt, da Bio- und Freilandgeflügelverkäufe genauso wie Eierverkäufe rückläufig sind. Es profitiert nur die Käfig- und Massentierhaltung, da der Verbraucher nicht nur für den Aufdruck zahlen möchte.